2014-01-06 16.12.27

There and back again

Da bald mein eineinhalb Jahre Jubiläum in den Staaten anliegt, ist es wohl höchste Zeit, diesem Blog wieder etwas Leben einzuhauchen. Letztes Semester bin ich ja überhaupt nicht dazu gekommen, in die Tasten zu hauen, da die böse Uni meine Freizeitvorräte beinahe vollständig aufgeknuspert hatte. Meine liebe Kollegin Annette hatte sich ja böse den Arm gebrochen, und so wurde ich gefragt, ob ich nicht kurzfristig einspringen könnte – was ich nur zu gerne getan habe. Bei drei Klassen, von denen ich einen Kurs noch nie zuvor unterrichtet hatte, war das eine ordentliche Herausforderung, aber es hat alles prima hingehauen. Sehr viel Spannendes lässt sich auch nicht über diese Zeit berichten – das ohnehin kurze Semester ist wie im Flug vergangen und ich habe wenig Episches angestellt. Vielleicht mit der Ausnahme meines Immigrationsverfahrens – so bin ich nach meinem Interview in Columbus ja jetzt mit Brief und Siegel „Legal Resident Alien“. Nimm das, Giger. Andererseits brauch ich das nicht so bald wieder. Spaß war das Interview, wo einem schon immer das Gefühl vermittelt wurde, ein dahergelaufener Bittsteller zu sein, nun wahrlich keiner. (Originalton eines Beamten, Gott sei Dank nicht zu mir: „Are you afraid of me? ARE YOU AFRAID OF ME?!?! YOU BETTER BE…“). Wie dem auch sei, habe ich mich nach dem Semester doch schon sehr auf die Winterferien in der alten Heimat gefreut.

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Ich hatte ja ein perfektes Timing ausbaldowert, und nach den letzten Prüfungskorrekturen ging es dann nach einem reibungslosen Flug direkt zur „Wilden Jagd“ (siehe oben). Sarah war ja schon sehr gespannt auf die österreichischen Perchtenbräuche, und so war es eine perfekte Einstimmung, gleich am ersten Abend von unheimlichen Gesellen begruselt zu werden. Der Schweinsgalopp, mit dem die Perchten von Bauernhof zu Bauernhof berserkt sind, um dort alles Gute für das nächste Jahr zu wünschen, hat offensichtlich das Tempo für den restlichen Urlaub bestimmt. Weihnachten mit der Familie, Exkursionen nach Wien, Berchtesgaden und Graz, ein kurzfristig eingeschobenes Liverollenspiel, immer wieder Kaffee oder Schnitzel mit Freunden… Da hatten wir uns doch dezent zu viel auf den Teller geladen. Dennoch haben wir doch ein paar hilfreiche Lektionen für das nächste Mal gelernt. Erstens: Schnitzel mit Maß und Ziel. Nachdem viele Freunde Sarah natürlich ihre Lieblingsbeiseln zeigen wollten, wurden wir dementsprechend oft zu Geheimtipps ausgeführt, wo es nach der eingehenden Beäugung der Speisekarte fast immer: „Schnitzel“ oder „Gordon Bleu“ geheißen hat. Das war genau nach meinem Geschmack, allerdings hat die Holde nach einer Woche einen kurzen Schnitzelstreik ausgerufen. Zugegeben, die leichteste Küche haben wir Alpenbewohner tatsächlich nicht. Zweitens: vier Wochen dauernd auf Achse und jeder Tag verplant ist definitiv zu viel. Das nächste Mal sollten wir wohl immer ein oder zwei Tage Pause in einem schnuckeligen Hotel einschieben. Und vielleicht einen etwas weniger gedrängten Stundenplan. Drittens: Ohio braucht eine ernstzunehmende Larpszene.

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Aber immerhin konnten wir auch einzigartige Momente erleben. Von der Gastfreundschaft bei Freunden zu Fiakerfahrten mit Prof. Wullbert in Mordor (Wien, für Nichteingeweihte), strahlendes Föhnwetter am Berg, Punsch vor Schloss Schönbrunn, Prangerstutzenschießen in Berchtesgaden, Adventsingen in Salzburg, Schabernack mit Hosch & co., Fondue in Nerdvana, Kroketten beim Krokettenmeister, Silvester in Graz und vieles mehr. Am wichtigsten war es jedoch, endlich wieder einmal Freunde und Familie zu sehen, da ich mich doch viel später als versprochen und mit Ablaufdatum in der alten Heimat wiedersehen ließ.

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Mit Perchten hatte unser Urlaub begonnen, mit Perchten ging er zu Ende. Nach dem Gollinger Perchtenlauf mussten wir wieder in unsere Maschine „back home“ kraxeln – und so sehr die Hinreise wie geschmiert gelaufen war, so sehr wollte uns Amerika demonstrieren, was mir mein alter Mitbewohner einst gepredigt hatte: „Erwarte nicht, dass in Amerika etwas auf den ersten Anlauf funktioniert, und du bist ein glücklicherer Mensch.“ Bei unseren bajuvarischen Nachbarn klappte ja noch alles bestens. Sobald wir in Washington aus dem Flieger gestiegen waren, sollte sich das aber bald ändern. Wir hatten es gerade noch geschafft, unser Gepäck nach der Immigration einzuchecken – den Flieger selbst erreichten wir aufgrund teutonischer Maiden, die sich im Sicherheitscheck einfach vorgedrängt hatten („Unser Flieger geht in einer Stunde. Wir müssen das jetzt machen, sorry.“ „Fucking great – unserer geht in 20 Minuten.“), um zwei Minuten gerade nicht mehr. Außerdem mussten wir ja genau während des Polar Vortex reisen, ergo gab es keine Flüge innerhalb der nächsten 72 Stunden mehr nach Columbus. Toll. Umgebucht nach Charleston, West Virginia, Mietwagen genommen, am nächsten Tag Koffer in Columbus aufgeklaubt (laut United war es unser Fehler, den Flieger verpaßt zu haben, war ja auch klar, unser Gepäck hatte es ja schließlich geschafft) und am darauf folgenden Tag Mietwagen nach Charleston zurückgebracht, wo es gerade eine große Chemiekatatstrophe gab (Tanks mit Bergbauchemikalien sind ausgelaufen und 300.000 Leute durften ihrem Trinkwasser Lebewohl winken), was Budget allerding wurscht war, bei jeder anderen Station hätten wir 300 Dollar Aufpreis bezahlt, um die Mietkarre zurückgeben zu dürfen. 3 Tage Heimreise – danach waren wir streichfähig. Dennoch hatte ich unser Häusel schon vermisst.

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Wo in Österreich warme Temperaturen ob des ständigen Föhnwetters geherrscht hatten, war es zuhause genau umgekehrt. War ja auch klar, dass ich als barbarischer Alpenbewohner erst nach Amerika gehen musste, um zum ersten Mal in meinem Leben eingeschneit zu sein. Zum Teil hatten wir doch 30-50cm Neuschnee in einer Nacht und -28 Grad für eine ganze Woche. So bibbere ich nun schon seit 7 Wochen durch. Immerhin war das Wetter genau zum Geburtstagswochenende gnädig, und so konnten wir zur Geburtstagsfeier der SchwiMu aufbrechen (diesmal im superkleinsten Rahmen der Familie von nur 16 Leuten). Das Witzigste an diesem Wochenende war allerdings der Sonntag – an dem wir eingeladen waren, Neffe Emory (Nr. 12, weiß) und Nichte Sidney beim Wüt… erm… gesitteten Basketballspiel bzw. Cheerleading zuzusehen und sie gebührend anzufeuern. Dieses epische Geschehnis fand passenderweise in der Mega Church von Huntington statt. Ah, die süße Ironie, doch weder ich noch irgendwelche jüdischen Familienmitglieder sind zu Staub zerfallen. Vor und nach jedem Spiel wurde auch inbrünstig gebetet und in der Halbzeit wurde fleißig „Zeugnis abgelegt“. In unserem Fall von einem jungen mexikanischen Migranten, der uns davon berichtete, wie Gott ihm mehrmals diverse Knochen gebrochen hat, um ihn vor dem dunklen Pfad der Arroganz und des Egoismus zu retten. HALLELUH!

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Und nun hocke ich wieder auf meinen vier Buchstaben in Athens, quäle dieses Semester nur Sport Management Studenten – die ich auf ihr Auslandsprogramm in Deutschland vorbereite, und warte auf den Frühling! Denn mit dem dritten Polar Vortex, der gerade durchzieht, habe auch ich endgültig die Schnauze voll vom Winter. HUGH!

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Summer in Rural Appalachia

So schnell wie der Sommer gekommen ist, ist er auch schon wieder vorbei. Eigentlich hatte ich ja erwartet, mich ganz gemütlich in den Herbst grooven zu können, das wurde jedoch mit einem Anruf am vorletzten Freitag schnell zu Nichte gemacht. Am Hörrohr war der Modern Languages Department (kurz Modlang) um mich zu fragen, ob ich nicht Lust hätte, ihnen aus der Patsche zu helfen. Eine Professorin am German Department hatte sich den Arm gebrochen und muss für ein paar Wochen aussetzen. Und so war ich mit einem flotten Anruf plötzlich Adjunct Instructor (und kein schnöder TA mehr), hatte genau ein Wochenende, um mein Semester geregelt zu bekommen und nun stehe ich seit letztem Montag wieder in der Klasse. Oder besser gesagt drei Klassen, wo ich nun 72 Jungohionuten die Freuden der deutschen Sprache beibringe. Was ist nun vom Sommer geblieben? Ein kurzes Potpourri:

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Zunächst war ich einmal heilfroh, nach meinen ganzen Reisen wieder bei meiner Göttergattin und in unserem Hexenhäuschen ein wenig die Seele baumeln zu lassen. Wettermäßig ist der Sommer hier echt spannend. Wir haben eindeutig unsere eigene Monsunjahreszeit. Entweder es ist brütend heiß, oder es schüttet, als hätten sich die Toren der Hölle geöffent, um zum jüngsten Gericht zu rufen. Dazwischen gibts nix. Aber immerhin sind diese Unwetter meist schnell vorbei (auch wenn nachher meistens der Strom für ein paar Stunden flöten geht). Natürlich muss Brehms [bitte schön, Frau Beneke, auf Wunsch ausgebessert]  fröhliches Tierleben hier auch immer nach dem Rechten sehen um sicherzustellen, dass wir Zweibeiner keinen allzu großen Schabernack anstellen. Fast jeden Vormittag und Abend tummeln sich Rehe in unserem Garten (siehe oben, Blick uas dem Küchenfenster). Pepe, unser Stinktier kommt auch oft auf ein Schwätzchen vorbei, Kolibris schwirren um unsere Dogwoodsträuche jede Nacht gibt’s Kojotenkonzert und Sarah hat am Friedhof hinter unserem Haus auch schon einen Bobcat – einen örtlichen Luchs gesehen. Die Waschbären sind wir mal los – nachdem Sarah von einem dieser Viecher mit Gezische und Gefauch von der Porch vertrieben wurde, und da sie sich immer öfter am Tag sehen ließen, haben wir bei der DNR (Department of Natural Ressources) angerufen, da so ein Verhalten nur allzu oft ein Zeichen von Tollwut ist, und die haben die Frechdachse offensichtlich eingefangen.

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Ganz am Anfang der Sommerferien war ja auch mein erster „Independence Day“ in Athens. Schon unglaublich, wie sehr die Stadt ihr Gesicht wandelt, wenn das Semester vorbei und die Studenten abgezogen sind. Dann ist Athens einfach nur och ein Kaff in den Appalachen, wo überhaupt nix mehr los ist. Der Independence Day war auf eine bizarre Art sehr berührend. Bei uns wurde er mit dem obligaten Feuerwerk nämlich schon am 3. Juli gefeiert – da die Feuerwehr einfach nicht das Geld für die Feiertagsüberstunden hat. Ganz entgegen meinen Erwartungen wurde auch nicht in der Stadt gefeiert, sondern in der Shopping Mall in der State Street. Hier hatten sich die Leute aus der Umgebung  eingefunden, um ihre Pickups auf dem WalMart Parkplatz abzustellen und es sich auf der Ladefläche gemütlich zu machen. Die Polizei hat alle Augen zugedrückt, da auch das ein oder andere Bierchen in der Öffentlichkeit gezischt wurde. Auch ein paar Hotdogs wurden auf den Grill geworfen. Bei leichtem Nieselregen ging dann das Feuerwerk hinter der Mall hoch – und es war nur zu deutlich, dass das für viele Leute aus der Umgebung das Highlight des Sommers war. Wenn die Studenten hier sind, merkt man oft nicht, wie bitterarm der Landstrich um Athens wirklich ist…

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Außerdem war ich auf meinem ersten Hippiefest. Mein Freund Todd ist ja Mitbesitzer des „Wisteria“ Geländes (schlappe 200 Hektar, ein gutes Drittel davon selbst ausgerufenes Naturschutzgebiet), auf dem jedes Jahr das Starwood Festival stattfindet. Ich habe natürlich ein Black Metal T-Shirt getragen, um mich vor all den Hippie-Vibes zu schützen. Ich muss gestehen, die Natur im südlichen Ohio ist atemberaubend schön und die Vegetation gedeiht im fast schon tropischen Klima prächtig. Wir sind zu Feenhainen und Ritualplätzen gewandert – und ich mußt mir doch hie und da ein Kichern verkneifen, wenn wieder ein zotteliger Rübezahl splitterfasernackt aus dem Unterholz gebrochen kam oder sich ein Jungdruide intensiv mit einem Rosenquarz unterhielt, dem er das Gelände zeigte… Nach einem Hippiekonzert (und einer Margerita, ich war ja der „designated driver“), ging‘s dann zum Bonfire. Die Leute werkeln Wochen, um ein Freudenfeuer von der Größe eines Einfamilienhauses aufzubauen und mit Feuerwerk vollzustopfen. Ganz begeistert war auch die Feuerwehr. Die wird nämlich jedes Jahr eingeladen (und mit einer Spende fürs Fire Department von Meigs County bedacht), um ein Auge auf das Feuer zu haben. Und ich glaube, es gibt nix, was Feuerwehrmänner mehr genießen, als einen riesigen Brand, bei dem sie nichts zu tun haben. Und so saßen sie dann auch mit leuchtenden Augen in Campingstühlen um ihr Feuerwehrauto und hatten sichtlich den Spaß ihres Lebens. Ein erfolgreicher Ausflug, auch wenn ich gestehen muss, dass das echt nicht meine Welt ist.

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Schlussendlich ging’s dann noch auf eine Auktion. Da uns ja noch das ein oder andere Ding für unser Häusel fehlte, hat uns Annette voreschlagen, sie doch einfach auf eine Auktion zu begleiten. Wenn hier ein Hausstand aufgelöst wird, wird einfach ein Auktionshaus angeheuert, das dann vorbeikommt, um den Krempel unter das Volk zu bringen. Das hat dann eigentlich Volksfestcharakter. Zelte werden aufgebaut, in denen die Auktionsstücke ausgestellt werden und es gibt die besten Hotdogs. Und dann wird von der Fingerhutsammlung, den Fliegenfischködern über Elvisplatten bis zum Motorboot alles unter das begierige Volk geworfen, wobei die Auktionsmenschen wie Maschinenpistolen brabbeln. Das hab ich mein Lebtag noch nicht gesehen, und es klingt ungefähr so:  https://www.youtube.com/watch?v=naaU2ZVupuU. Da hier natürlich jeder jeden kennt, werden auch fleißig Scherze auf Kosten der versammelten Auktionäre eingebaut. Die Leute, die sich hier einfinden, sind natürlich auch eine Schau. Von Amishen, die mit dem Pferdewagen angetrabt kommen, über Profiangler zu OU Professoren ist hier alles vertreten, was Rang und Namen hat. Seit der Auktion sind wir stolze Besitzer von zwei Öllampen, die wir auch echt brauchen können, da der Strom so oft ausfällt. Man ist erst ein richtiger Appalachian, wenn man Öllampen besitzt, und zumindest in dieser beziehung qualifiziere ich dann wohl auch.

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GENCON!!!

Nachdem ja meine Reisepapiere immernoch nicht da sind, und darob auch meine Sommerpläne ins Wasser gefallen waren (um das Conquest of Mythodea tut’s mir immer noch leid und die versammelte Rasselbande zu Hause geht mir doch auch sehr ab), habe ich mir letztes Wochenende schlussendlich einen langgehegten Wunsch erfüllt. Ich bin auf die GENCON, eine der größten Spielemessen der Welt gefahren.

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Nachdem ich ja längere Zeit nicht wusste, was ich wohl mit dem zweiten Augustwochenende anstellen sollte, da Sarah die gesamte Woche damit eingespannt war, einem schriftstellerischen Klienten bei der Fertigstellung seines Buches mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, habe ich einfach mal Facebook konsultiert und bin draufgekommen, dass mehrere meiner athensischen Freunde sich auf die Pilgerfahrt nach Indianapolis machen würden, um für vier Tage dem Müßiggang, dem Rumgenerde und dem Fraß zu huldigen. Ich habe mich schon wie ein Schnitzel auf Indy gefreut, als ich von meinem Kumpel Tim aufgeklaubt und wenig später in einen shanghaiten Minibus gestopft wurde. Acht Mann und 2 Frauen hoch ging‘s dann Richtung Westen, natürlich mit obligatem Zwischenstopp bei Taco Bell (war gar nicht mal soooo mies) und einem kurzen Fußballspiel. Genau so obligat haben wir natürlich der Tradition gehuldigt, unser Hotelzimmer gnadenlos überzubelegen und uns mit Schlafsäcken und Isomatten auf den Stock zu schleifen – was wir gar nicht nötig gehabt hätten, da sie uns nach dem Aushändigen der zwei regulären Zimmerschlüssel gleich gefragt haben, ob wir nicht noch mehr benötigen würden… Mit sechs Nicht-mehr-ganz-so-Jungmännern (wir krebsen alle so Mitte bis Ende Dreißig herum) wurde es dafür dann in der Streichholzschachtel von einem Zimmer so richtig kuschelig.

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Unser Plan war, untertags die Messe zu besuchen, am Abend immer gut essen zu gehen, und dann bis in die Puppen zu zocken. Hat auch großteils funktioniert. Wir sind nach dem Beziehen der fürstlichen Kemenate sofort zur Messe aufgebrochen, die nur einen Block vom Hotel entfernt war, und es hatte mich schon sehr verwundert, mit welch offenen Armen wir von Indianapolis in Empfang genommen wurden. Überall waren Banner aufgehängt, die die Gamer herzlich willkommen geheißen haben, bei allen Pubs, Bars und Restaurants gab’s spezielle Gencon-Menüs oder Goodies und viele Kellnerinnen hatten sich auch irgendwas Kostümartiges übergeworfen. Auch die Polizei hatte an den bis zu 50.000 Verrückten nicht das Mindeste auszusetzen – was vielleicht auch daran gelegen haben mag, das zur selben Zeit ein Harleytreffen stattgefunden hat, dass die Herrn Ordungshüter weit weniger wohlwollend betrachtet haben.

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Das Gewühl von Gencon war auch ziemlich überwältigend. Überall verrückte Gestalten, viele davon in mehr oder weniger guten Kostümen, die vier Tage einfach nur zusammen gespielt, gegessen, gefeiert und Spaß gehabt haben. Wir haben uns an der klingonischen Renaissance Band und dem Luftballoncthullhu vorbei zunächst mal in die Verkaufshalle gequetscht, um als begeisterte Miniaturenschieber einmal die ganzen limitierten Zinnfiguren für das Strategiespiel Warmachine unter die Nägel zu reißen, bevor der Andrang unerträglich wurde. Was total nett war, da Matt Wilson, der Oberboss von Privateer Press sich nicht zu schade war, den Leuten als Einkaufsscherge ihre Beute von den Regalen zu holen und auch ein wenig zu quatschen. Außerdem wollte ich ein paar Miniaturen zum Bemalwettbewerb einreichen.

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Danach ging‘s dann ins berühmte „Ram“, einem Pub and Grill, das wie jedes Jahr von den Warmachinefans in Beschlag genommen wurde. Überall waren riesige Banner aufgehängt, um uns in die Fantasywelt von Imoren zu entführen und selbstverständlich war auch die Speisekarte auf uns abgestellt, so gab es zum Beispiel „Wrathful Wings“ und khadoranisches Bier. Die Spätvorstellung von Amateurhorrorfilmen war aber dann so grottenschlecht, dass wir den Klängen gefolgt sind, die die Hotelhalle hinuntergehallt sind, und haben so durch Zufall ein Konzert der Zombieband „The Graveyard Stompers“ miterlebt, das ein Heidenspaß war.

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So ging‘s dann die nächsten Tage auch weiter. Es war immer etwas los, angefangen mit der großen Kostümparade, zu der sich auch halb Indianapolis eingefunden hatte (unsere Schwester Wilma hat hier großen Eindruck geschunden und selbst die Cosplay Ikone Yaya Han in den Schatten gestellt), Rollenspielen in obskuren Hotelseminarräumen (unglaublich, „Vampire: The Masquerade“ hatte ja mal Gencon dominiert, dieses Jahr war noch genau ein verhungertes Tischlein übrig), dem Zombieball im alten, historischen Hauptbahnhof, der Kartenhausstadt, erbitterten Bofferkämpfen, es war auf jeden Fall ein Heidenspaß. Außerdem habe ich zwei Bronzemedaillen im Bemalwettbewerb gewonnen. Gencon war ein Riesenerfolg – das nächste Jahr wieder, und dann hole ich mir Silber!!!

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Chicago mit Harry Dresden

Nachdem ich den geschätzten Leser in meinem letzten Blogeintrag nach New York entführt habe, gibt es diesmal etwas völlig Anderes. Nachdem ich ja ein langjähriger Fan unseres einzigartigen Magiers aus Chicago – Yours truly, Harry Dresden – bin und auch einige Bücher für meinen guten Freunde von Feder & Schwert (http://www.feder-und-schwert.com/) übersetzen durfte, stand bei meiner Reise nach Chicago natürlich eines ganz oben auf der Tagesordnung. Ich wollte mich natürlich auf Harry’s Spuren begeben und habe kurzentschlossen 3 Tage ganz ins Zeichen des spruchschleudernden Großmauls gestellt.

BildDie Ankunft in der Windy City selbst erwies sich als dezent problematisch. Mein liebstes Schwesterlein hatte für uns ein Ferienappartement im Stadtteil Gold Coast in unmittelbarer Nähe zum Lake Michigan gebucht, doch ihr Flug kam erst einige Stunden nach meiner Maschine in Chicago an, und da nur ihr Name auf der Reservierung stand, wollte mich der Knecht an der Rezeption einfach nicht einchecken lassen. Ich wollte mich dennoch nicht verdrießen lassen, und habe mir ums Eck einen nicht einmal sooo rasend teuren Kobe Rind Hotdog genehmigt. Nehmt das, Nornen des Schicksals. Das Apartment war ein echtes Schnäppchen, leicht abgewohnt, aber äußerst sauber und geräumig. Sollte es den geschätzten Leser gelüsten, nach Chicago zu reisen, seien ihm die DeWitt Place Apartments ans Herz gelegt. Ein ganz klein wenig war ich dennoch von Gold Coast enttäuscht, so sehr ich auch meine Augen aufgesperrt habe, ein weißer Hummer mit einem unnatürlich bleichen Fahrer wollte sich einfach nicht erspähen lassen.

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Ein Gefühl für Chicago bekommt man, wenn man die Stadt zum ersten Mal besucht, am besten von unten und von oben. Eine Schiffrundfahrt durch die Windy City sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, die Architektur ist absolut atemberaubend. Um Chicago aus der Vogelperspektive zu erleben, erklimmt man am besten einen der Wolkenkratzer mit Aussichtsplattform. Wir haben uns für den zweithöchsten, den Hancock Tower entschieden. Da im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ja alles größer, höher und schneller sein muss, pilgert das amerikanische Touristenvolk in Scharen zum Willis Tower – während man vom Hancock einen ebenso feinen Ausblick hat, nur zu einem günstigeren Preis und ohne das Sardinenfeeling. Von hier kann man auch die Marinas sehen, wo sich unter all den Booten auch sicher irgendwo der Wasserkäfer versteckt und den Sandstrand, an dem Harry seine Laufrunden zieht.

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Der erste Dresden inspirierte Tag führte ins Shedd Aquarium, das durchaus einen Ausflug wert ist. Die vielen Aquarien, Pinguine und natürlich die Walshow ziehen etliche Besucher an, Gerüchten nach auch den einen oder anderen Ritter des Schwarzen Denarius. In den Büchern haben diese besessenen schlimmen Finger hier ja versucht, Ivy, das Archiv in ihre schmierigen Finger zu bekommen, was Harry auch nicht verhindern konnte. Dennoch muss ich unserem Magier Respekt zollen, wer es schafft, sich vor Horden übernatürlicher Jäger zwischen den ärmlichen Fichtenimitaten zu verstecken, kann nicht ganz von dieser Erde sein.

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Am zweiten Tag wollte ich mir natürlich das Field Museum nicht entgehen lassen. Ich hatte schon ein wenig gegrinst, als meine Familie der festen Meinung war, sich die Highlights kurz einmal in ein bis zwei Stunden anzusehen. Geworden sind dann daraus acht. Da es mit einer Mitgliedskarte günstigere Tarife gibt, habe ich gleich zugegriffen (um mich Wochen später über den Mitgliedsausweis zu freuen, der auf Mr. Ookinik Hewkki ausgestellt ist, ein durchaus beeindruckender Schurkenname – außer man ist Finne, dann ist das wahrscheinlich normal. Dabei kann mich aber nicht erinnern, einen Silberling aufgehoben zu haben…) Besonders beeindruckend finde ich die riesige Sammlung indianischer Masken, aber im Field Museum ist für jeden was dabei. Auch in den Dresden Files spielt das Museum keine unbedeutende Rolle. Hie haucht der verruchte Quintus Cassius sein Leben aus, von Harrys Ausritt auf Sue einmal ganz zu schweigen. Wer das Field Museum bei einem Chicagobesuch auslässt, ist selber schuld.

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Der letzte Tag jedoch hat mir am meisten Spaß gemacht. Ich wollte mich auf die Spuren von Harry begeben, die etwas abseits der touristischen Pfade liegen. Also habe ich mich in der Früh kurzentschlossen in den L-Train geschwungen, um ein wenig im Graceland Cemetery herumzustöbern. Der Friedhof selbst ist eine idyllische Insel der Ruhe etwas nördlich der Innenstadt. Da ich doch sehr früh dort war, waren bis auf einige Gärtner niemand weit und breit zu sehen – leider blieb auch das offene Grab, das Harry gewidmet ist, unauffindbar. Was ich jedoch gefunden habe, ist Inez, die Grabstatue eines kleinen Mädchens, die nicht nur in den Dresden Files ihren Spuk treibt. Offensichtlich ist das der Friedhofsverwaltung ein Dorn im Auge, und so haben sie die Statue einfach dornröschenhaft eingesperrt. Immerhin kann sich Inez über honorige Herrschaften in der unmittelbaren Nachbarschaft freuen.

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Bucktown ist vom Graceland Cemetery nicht allzu weit entfernt, und dort lag mein nächstes Ziel. Ein paar Stationen mit der U-Bahn und etwa 20 Minuten Fußmarsch später stand ich vor St. Mary oft he Angels – einem Zufluchtsort für all diejenigen, die von übernatürlichen Mächten heimgesucht werden. Mister Dresden scheint das Gebäude ja für ein ehrfurchtserzeugendes architektonisches Meisterwerk halten, doch ich muss gestehen, ich hatte es mir dezent anders vorgestellt. Zum einen… ist es doch ein wenig bunt. Mit seinen roten Ziegelmauern und weißen Kuppel und Engelskulpturen gemahnt es doch ein wenig an eine andere amerikanische Spezialität – den weithin geliebten Princess Cake. Das Innere der Kirche war durchaus picturesque und ich habe auch die Hintertür gefunden, an der Vater Forthill unseren Magier immer empfängt, wenn der wieder mal was braucht. Ich bin dann noch ein wenig durch Bucktown geschlendert und auch an dem einen oder anderen Häuschen vorbeigekommen, das durchaus Detective Murphy gehören könnte.

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Meine letzte Fahrt war dann ins Stadtinnere. Da mein Bus zurück nach Ohio ohnehin vom Hauptbahnhof abfuhr, nützte ich die Gunst der Stunde, um auch den Ort unter die Lupe zu nehmen, an dem es Harry und Michael mit den Hobbs aufgenommen haben. Was mir in Amerika immer wieder auffällt: hier gibt es unglaublich faszinierende Architektur – die oft keinen Pfifferling wertgeschätzt wird. Ich weiß ja nicht, welchen Wahnsinnigen die Autoritäten von Chicago damit beauftragt haben, den Bahnhof zu modernisieren, doch der böse Bube hat ganze Arbeit geleistet. Die Haupthalle ist unglaublich eindrucksvoll, doch wenn man sich dann in die niedersten Eingeweide der Katakomben drunter wagt (und für Personen mit meiner Körpergröße ist das fast schon eine Herausforderung), wundert man sich dann schon, was für ein verdammtes Rattenloch das ist.  Doch immerhin endete mein Chicagoaufenthalt an einem Dresdenort und auf der Heimfahrt habe ich dann noch in Ghost Story geschmökert.

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Nachtrag 3: New York, New York

Vollkommen entspannt aus Maryland zurückgekehrt, stand erst mal wieder hoher Besuch aus der Heimat auf dem Programm. Meine liebe Liverollenspielfreundin Eva und ihr Göttergatte Erich hatten sich angesagt, um sich von mir Athens in seiner ganzen Pracht (hüstel, hüstel) zeigen zu lassen. Immerhin haben wir mit kulinarischen Genüssen – und ja, das meine ich durchaus ernst – punkten können. Das North Carlina Barbecue von Kiser’s zu schlagen ist halt nicht so einfach und des Weiteren sind wir um unser Spukschloss, das alte Irrenhaus auf den Ridges gegeistert.

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Danach gings dann eh schon in Windeseile flugs in den Big Apple weiter. Sollte ein geschätzter Leser jemals andenken, den „Go To New York Bus“ von Columbus aus zu nehmen, sei ihm allerdings schwerstens davon abzuraten. Allein schon unsere Ankunft in Columbus hätte uns zu denken geben sollen. Der „Go To NY Bus“ hat in Columbus nämlich keine Haltestelle, sondern bleibt irgendwo in der Nähe des angegebenen Aufschlagortes stehen. Dann darf man sich mit dem Pöbel um einen Sitzplatz raufen, denn auch wenn man im Internet ein Ticket erstanden hat, betreiben die Leute den Bus auf einer „wer zuerst kommt, hat Glück, alle anderen Pech“ Basis. Und hier kommt wiederum hinzu, dass der Bus von irgendwelchen zwielichtigen Gestalten aus China Town betrieben wird – also musste ich den schwertätowierten Knecht, der mal kein Englisch spruch, von meinem recht überzeugen, in den Bus zu kraxeln. Nach etwas Ellenbogeneinsatz war ich dann an Bord und musste mich in einen Sessel der Größe XXS falten. Klo und Klimaanlage waren auch kaputt, und so haben Sarah und ich uns einfach mit Schlaftabletten auf die Bretter geschickt, um am nächsten Tag mit 4 Stunden Verspätung im Big Apple einzuschneien.

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Wir haben relativ problemlos zu unserem Hotel in der Nähe des Time Squares gefunden, wo meine Familie schon auch uns gewartet hat. (Kleiner Tipp an zukünftige New York Reisende: das Yotel ist durchaus leistbar, sauber und super zentral gelegen.) Vielen Dank noch einmal an die Family für die Einladung! Sarah war zwar etwas mulmig, doch das erste Zusammentreffen ist problemlos verlaufen, Sarah konnte sogar mit Deutschkenntnissen rumprotzen und die Feststellung: „Ich bin der Tisch!“ sorgte für allgemeine Heiterkeit. Für mich war es auch seltsam, die versammelte austriakische Rasselbande nach 10 Monaten zum ersten Mal wiederzusehen, wie die Zeit doch verfliegt.. Nachdem wir uns etwas frisch gemacht hatten, schleppten wir unsere müden Knochen mal zur High Line, einem echt hübschen Park, der auf Resten der ehemaligen Hochbahn angelegt ist, um uns ein Kaffeetscherl zu genehmigen. Bis auf ein Jauserl in der 9th Avenue und einem kurzen Abstecher war an diesem Tag auch nicht mehr allzu viel drin.

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Hier nun die Highlights in nicht unbedingt chronologischer Abfolge:

Am besten hat mir wahrscheinlich die Schifferlfahrt um Manhattan gefallen. Ganz gemütlich tuckert man zu einem angemessenen Preis um die Insel und lässt die Skyline auf sich wirken. Auf dem Boot wird einem auch richtig klar, wie verdammt groß dieses Manhattan eigentlich ist. Meilen an Meilen von Wolkenkratzern und spiegelnden Glasfassaden. Natürlich sieht man auch Lady Liberty aus der Nähe, auch wenn die Insel bei unserem Besuch aus Renovierungsgründen geschlossen war. Wie dem auch sei, wir hatten mit dem Wetter ein Riesenglück – vor unserer Ankunft hatte es noch Schusterbuben geschüttet. Die Schlechtwetterfront ist dann brav nach Chicago weitergezogen, nur um sich dann bei unserem Besuch der Windy City wieder nach New York zu verzupfen.

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Nachdem wir allerdings die Häuserschluchten nicht nur aus der Ferne beäugen, sondern aus nächster Nähe erleben wollten, haben wir uns auch eine Busrundfahrt in einem oben offenen Doppeldecker gegönnt, und diese Fahrt hatte es in sich. In New York wird man ja an allen Ecken und Enden von Knechten bedrängt, die einem etwas andrehen wollten. Drunter die Lämmergeier von zumindest 4 verschiedenen Buslinien. Wir haben uns dann für die grüne Linie entschieden, weil die am billigsten waren. Soviel kann man ja eigentlich auch nicht falsch machen, oder? Aus (humoristischen) Gründen erwies sich das als Glücksgriff. Sobald wir in den ersten Bus gekraxelt waren, wurden wir von einem charmanten New Yorker in Empfang genommen, der uns aus einem zahnruniösem Mund einmal kund tat, dass er erstens nicht für das Busunternehmen arbeitet, und wir etwaige Beschwerden doch wo anders deponieren sollen, und dass zweitens die Sprechanalage kaputt war, so dass wir uns bitte in seiner Nähe niedersetzen sollten. Wir wollten einen Zwischenstopp in China Town einlegen und haben uns vorwitzig erkundigt, wann denn bitteschön der nächste Bus käme – Verkäuferknecht Hatte ja spätestens alle 20 Minuten verkündet. Herr Zahnruine meinte: „Nunja, irgendwo zwischen 50 Minuten und eineinhalb Stunden.“ Auf die Frage, warum man uns so bösartig einen Bären aufgebunden hatte war seine listige Antwort: „You want to know why the guys back there lied to you? Did you buy a ticket?“ Chinatown hat mich nicht unbedingt aus den Schlapfen gehauen, auch wenn es zugegebenermaßen sehr nett war, vor allem das Mittagessen bei den Vietnamesen.

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Wir haben dann doch relativ problemlos und schnell den Anschlussbus erwischt, wo uns ein Stadtführer mit noch mieserer Zahnhygiene darauf hinwies, dass er bitte nicht für das Busunternehmen arbeitet… Ist ein Muster erkennbar? Der Rest der Rundfahrt durch die Straßenschluchten und am Freedom Tower vorbei war aber nichts desto trotz eindrucksvoll und wir hatten unseren Spaß. Wir wollten uns auch die zweite Tour an der Uno vorbei zum Central Park nicht entgehen lassen, und stiegen am Time Square in unseren Bus Nummer 3 um, wo wir von einem schwarzen Fahrer mit vielleicht 4 verbliebenen Zähnen nach dem Hinweis, dass er ganz sicher nicht für das Busunternehmen sondern nur für uns arbeitet, auf eine äußerst unterhaltsame Tour genommen wurden. Begleitet wurden wir diesmal auch von „Sklaventreiber Pedro“, einem Latino mit nur 3 Zahnlücken (der ausnahmsweise für das Unternehmen arbeitete) und unseren Fahrer offensichtlich im Auge behalten sollte. Dürfte sich auszahlen, ich hab noch nie in meinem Leben eine derart protzige Uhr gesehen… Alles in allem ein Nepp, mit dem wir alle durchaus leben konnten.

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Ein weiteres Highlight war mit Sicherheit auch ein Ballettabend an der Met. Sarah hat hier all ihre gelernte Newyorkigkeit unter Beweis gestellt, indem sie uns trotz eines apokalyptischen Unwetters ein Taxi besorgt hat. Wir konnten das natürlich nicht einfach auf uns sitzen lassen, und haben unser gelerntes Österreichertum demonstriert, indem wir es geschafft haben, trotzdem patschnass zu werden. Die Met ist wirklich eindrucksvoll, und man sollte sie bei einem New York Besuch nicht auslassen, vor allem, da Tickets so rechtzeitig gebucht einen auch finanziell nicht ausbluten lassen. Das Ballett im Flair der Met jedenfalls war durchaus zauberhaft.

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Das Empire State Building wollten wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen und haben beschlossen, nach einem traumhaften tag im Big Apple den Sonnenuntergang aus luftigen Höhen zu beäugen. Diese Erfahrung kann ich jedem New York Besucher nur ebenfalls wärmstens ans Herz legen. Ich habe auch brav meine Höhenangst hinuntergeschluckt, als uns der Lift in Windeseile in den viel zu hohen Stock (zumindest für meinen Geschmack) katapultiert hat. Auf der Aussichtsplattform haben sich dann auch Rom, Galiläa und Itzling in bester Sardinenmanier gedrängelt. Bis auf unsere teutonischen Nachbarn und ein paar Südamerikaner haben aber alle brav auf freiwerdende Plätzchen gewartet. Die Aussicht und der Sonnenuntergang, der die ganze Stadt in magisches Rot getaucht hat, waren dafür unvergesslich.

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Auch kulinarisch hat New York einiges zu bieten und so haben wir uns (vor allem Sarah und ich als bekennende Foodies) fröhlich durch die Landschaft gefressen. Central Station ist nicht nur ein architektonisches Wunderwerk, man kann dort auch fein schnabulieren. Sarah wollte mich natürlich nicht ohne eine jüdische Spezialität (Bagel mit Räucherlachs) abziehen lassen, und so haben wir das Praktische mit dem Angenehmen verbunden und uns ein feines Frühstück am Bahnhof gegönnt. Wir sind auch mit größtem Vergnügen die 9th Avenue (das kulinarische Mekka) auf und ab geschlendert um uns einen ordentliche Appetit zu holen. Am besten haben wir im „Medi“, einem mediterranen Restaurant mit besonderem Flair gegessen. Ich hoffe, dass dies nicht das letzte Mal New York in näherer Zeit gewesen ist…

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Nachtrag 2: Hochzeit die Zweite

Nach unserer „standesamtlichen“ Hochzeit stund am 12. Mai dann die „kirchliche“ Trauung durch Sarah’s Institutsvorstand an, der sich extra dafür im Internet zum Priester hatte weihen lassen. Aber so mir nix dir nix ist einmal gar nichts gegangen, da es „The right reverend Dinty W. Moore“ von der Universal Life Church wollte Jux und Tollerei im Vorhinein den Riegel vorschieben, und so mussten wir brav zum Eheunterricht andackeln um uns weise Dinge anzuhören. Außerdem hatten Dinty, seine Frau Renita und seine Tochter Maria auch beschlossen, die Hochzeitsfeier für uns bei sich zuhause auszurichten und waren in ihrem Enthusiasmus kaum zu bremsen. Immerhin war es mir gnädig gestattet, mich ein ganz klein wenig nützlich zu machen und ein Fässchen Bier von unserer Privatbrauerei Jackie O’s zu besorgen.

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Am 12. Haben wir ziemliches Glück mit dem Wetter gehabt. Es war zwar bewölkt, aber immerhin nicht zu erschlagend heiß (was im schönen Ohio ja durchaus immer drin ist) und auch die vorhergesagten starken Niederschläge sind ausgeblieben. Sarah’s Stieftochter Lucy und Brautjungfer ist in Begleitung anderer Morgantowneusen bereits am Vortag sehr zu unserer Begeisterung bei uns eingefallen, aber wir haben das junge Gemüse einfach mit einem Stadtplan, auf dem alle wichtigen Bars eingezeichnet waren, vor die Tür gesetzt, um ein klein wenig Ruhe zu haben. Wie dem auch sei, mit Bier und Brautstrauß bewaffnet und mit drei dezent verkaterten Jungspunden im Schlepptau ging’s dann am Samstag auf zu Casa Moore. (Miss Lucy war etwas zerknirscht, als wir ihr mit Unterstützung ihrer Freundinnen gaaanz dezent beibringen wollten, dass Schlabbershorts nicht unbedingt das richtige Outfit für Brautjungfern sind, und sie einfach nix anderes eingepackt hatte…) Dort hatte sich bereits Sarah’s Familie, fast das gesamte Creative Writing Department (ergo die erweiterte Familie) aber auch ein paar meiner Leutchen aus meiner Spielegruppe und dem German Department eingefunden. Wir haben dann in Dintys Wohnzimmer feierlich unsere Schwüre ausgetauscht. Sarah unter anderem, mich nicht dazu zu zwingen Kohlsprossen zu essen und mir zu erlauben, die Heizung anzudrehen, wenn es im Haus gefühlte arktische Temperaturen hat. Ich hingegen meiner unheiligen Wrestlingsucht großteils zu entsagen und mich nicht über „The Grateful Dead“ im Autoradio zu beschweren.

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Schließlich waren wir dann mit dem Segen von Reverend Moore offiziell getraut und hatten eine sehr feine Feier mit Wedding-Cupcakes, Annettes berühmtem Hirscheintopf , Bier und angenehmer Plauderei. Mir gefällt die familiäre Atmosphäre am Creative Writing Department ausgesprochen gut (und wo wird man sonst zu Verrücktheiten wie Drag-Parties eingeladen).

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Ein ganz besonderes Hochzeitsgeschenk kam von einer der Deutschprofessorinnen: der Schlüssel zu unserem neuen Domizil. Anette hatte schon vor geraumer Zeit ein Häuserl am Land als Altersitz ihres Vaters gekauft – das wir mietfrei beziehen können, bis der alte Herr in die Staaten kömmt. So blieben uns nur zwei Tage Zeit, zu übersiedeln, bis wir auf die erste Etappe unserer Hochzeitsreise in eine Blockhütte in Maryland aufbrechen würden. 8029 Rock Riffle Road ist ein besonderes Schmuckkästchen mit zwei Verandas, von denen wir Prems fröhlichem Tierleben zusehen können. Wir haben schon Hirsche und eine Truthahnfamilie gesehen, die Glühwürmchenshow am Abend ist atemberaubend und wir haben auch schon ein Haushofstinktier, Pepe, das bei uns öfter mal nach dem Rechten schaut. Auch die Nachbarn sind äußerst ruhig… 

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Maryland wäre um ein Haar ins Wasser gefallen, da an unserer Karre eine Radaufhängung gebrochen ist und in ganz Athens kein Mietwagen aufzutreiben war. Retter in der Not war wieder mal mein ehemaliger Student und guter Freund Todd, der uns kurzentschlossen nach Parkersburg gekarrt hat, damit wir dann doch noch ein paar Tage wandern und Seele baumeln lassen konnten.

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Nachtrag 1: Frühling, Hochzeit, Staatsbesuch und Mom’s Weekend

Geschätzter Leser, es ist ja inzwischen schon fast ein Mantra: Ja, ich habe mal wieder ewig gebraucht, einen Blogeintrag zusammenzupfriemeln. Ich bereue nichts! Einerseits ist bei uns vor ein paar Wochen nach Monaten des Dauerschlonzens der Frühling eingekehrt, und ich war einfach nicht willens, mir nach der Uni ständig im stillen Kämmerlein den Allerwertesten plattzusitzen. Vor allem, da der Frühling hier in den Appalachen mit seinen blühenden Bäumen wirklich atemberaubend schön ist, hab ich jede freie Minute genutzt, etwas Frischluft zu schnappen. Zweitens war die traurige Tatsache einfach, dass sich das Semester gnadenlos dem Ende zuneigt hat (und ich muss gestehen, ich vermisse meine Studis jetzt schon, meine Ohionuten sind einfach die besten!) und man als braver Graduate Student und noch dazu Teaching Assistant nun wirklich kein Anrecht auf sowas wie ein Privatleben hat. Is ja auch pfuideibel! Wie dem auch sei, das Privatleben hat mir dann doch schurkisch den Stundenplan ziemlich durcheinander gewirbelt, hatte sich doch großer Staatsbesuch aus der fernen Heimat in Form von Fräulein Hosch angesagt.

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An einem Donnerstag vor ach zu langer Zeit habe ich besagte Dame dann auch von unserer Go-Bus Station abgeholt. Diese Buslinie verbindet uns mit der Außenwelt, für amerikanische Verhältnisse sogar unerhört oft, will heißen zwei Mal am Tag. Danach ging‘s gleich mal ins Diner um mit wahren amerikanischen Tugenden: viel, noch mehr, und Speck ist auch dabei; zu protzen. Den Rest des Tages sind wir mit Sarah dann ordentlich durch Athens strawanzt und haben so allerlei Unfug und Schabernack getrieben.

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Am Freitag gab’s dann die große Überraschung. Sarah und ich hatten den Termin unserer Hochzeit von langer Hand so geplant, dass nicht nur ihre westvirginiensische Familienrasselbande, sondern zumindest auch ein wenig Unterstützung aus der Heimat für mich vor Ort sein konnte. Frohgemuts habe ich die Hosch am Vormittag einfach in meinen Unterricht geschleift, um sie und meine Studis zu traumatisieren, um danach flugs zur Zeremonie im örtlichen Gericht aufzubrechen. Ich war ganz kurz dezent verunsichert, als man uns in den Gerichtssaal für Jugendstrafangelegenheiten geschickt hat, um den Bund der Ehe zu schließen. Ob uns der Judge of Peace damit etwas sagen wollte? Wie dem auch sei, sind wir jetzt mit Brief und Siegel nach dem Gesetz des Staates Ohio offiziell die Zweisteins. Ein paar Freunde hatten sich auch noch zum Ehrenspalier eingestellt und nach einem kurzen gender-inclusive Brautstraußwerfen (typisch Athens, ein paar Leute auf der Straße haben uns kurzerhand angesprochen, ob sie nicht auch einfach mitmachen dürfen, und hey, wieso eigentlich nicht? Der Brautstrauß wurde dennoch heldenhaft von der Hosch gefangen) wurden wir von der SchwiMu noch zu einem Hochzeitsessen im Restaurant Salaam eingeladen, die wegen uns einfach auf die Mittagssperrstunde gepfiffen haben. Diese Hochzeit hatten wir ja bewusst klein angelegt, da wir es ja Mitte Mai noch groß krachen lassen.

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Hosch hat es sich jedoch nicht nehmen lassen, ein paar österreichische Hochzeitsbräuche zu importieren, und so wurde hinter meinem Rücken eine Brautentführung geplant. In meinem Seniorstudenten und guten Freund Todd hatte sie auch einen allzu willigen Komplizen gefunden. Da die beiden allerdings der Meinung waren, dass sie das Sarah nicht ohne Vorwarnung antun konnten, wurde wieder mal ich entführt. Schurkenbande! Das Timing der Entführung war allerdings optimal, da mich die üblen Evildoers bereits am frühen Nachmittag abgegriffen hatten. Am Wochenende unserer Standesamtlichen stund nämlich auch Mom’s Weekend auf dem Plan, das wohl berüchtigtste Partywochenende in Athens. Da kommen nämlich die Mütter ihre studentischen Sprösslinge besuchen, um sich so richtig volllaufen zu lassen und männliche Undergrads aufzureißen. Die Orgie wurde von vielen Studis auch schon sehnlichst erwartet, die die Moms mit allerlei zwielichtigen Plakaten in Athens willkommen geheißen haben. Diverse Studis sind auch sichtlich ‚begeistert‘ mit ihren Müttern durch die Stadt gestiefelt, peinlich berührt, bevor das Saufgelage überhaupt angefangen hatte. Wie dem auch sei, ich wurde von den Schergen des Bösen wieder mal an den einzigen Ort verschleppt, der verlässlich studentenfrei bleibt: den Smiling Skull Saloon. Hier wurde ich dann auch standesgemäß abge… durstfrei gehalten, bis Sarah wie der Ritter in der strahlenden Rüstung angetrabt kam, um mich nach einigen verzwickten Prüfungen mit einem zäuberischen Zauberspruch zurückzugewinnen.

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Das Wochenende haben wir dann doch einen weiten Bogen um die Stadt gemacht, sind auf den Ridges wandern gegangen, haben uns Ru Paul’s Drag Race reingezogen, uns mit Pizza und Käse aus der Spraydose vollgestopft (ja, den gibt’s wirklich, siehe unten) und es rundherum gut gehen lassen. Nachdem ich Hosch am Montag wieder zum Bus gebracht und schweren Herzens in die Heimat verabschiedet hatte, hat dann der Schlussmarathon zum Semesterende begonnen. Ich habe meine armen, geknechteten Studis mit mündlichen Prüfungen, Tests, Endexamen und ähnlichen Grauslichkeiten geknechtet, was aber nur gut und billig war, da ich ja selbiges am English Department in umgekehrter Funktion abbekommen habe, höhöhö.

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Letztes Highlight vor Semesterende war der Ausflug der German Honor Society ins German Village in Columbus. Das German Village ist ein Beispiel gelungener Stadterneuerung. Nach dem zweiten Weltkrieg war es ja nicht unbedingt hoch angesehen, deutsche Vorfahren zu haben und im wirtschaftlichen Niedergang ist das German Village ziemlich heruntergekommen, bis sich in den Siebzigern einige Idealisten zusammengetan haben, um das Viertel vor dem endgültigen Verfall und den Bulldozern der Brachialstadterneuerer zu retten. Das ist ihnen eindrucksvoll gelungen und heute zählt das German Village zu einer der schönsten Neighborhoods im mittleren Westen. Überall gibt’s kleine, picturesque Gärtchen, schmucke Häuseln und Touristenattraktionen wie den Schiller Park mit dem Schiller Mountain (einem Hügel, der vielleicht vier Meter hoch ist), einem Buchladen mit 32 Räumen (ein wahres Labyrinth und ein Heidenspaß, seinen Weg da durchzufinden) diversen Bäckereien, Kunstgschäftln, „Hausfrau Haven“ und „Schmidt’s Sausage Haus“. In letzterem sind wir dann auf ein Mittagessen eingekehrt. Wir waren höchstamüsiert über die echt original deutschen Spezialitäten wie tiefgebackenen Sauerkrautbällchen. Pretzel Nuggets, Bahama Mama Bratwurst und Weiner Schnitzel und Gravy (sic.) waren. Das Schnitzel hat mich dann auch tatsächlich zum weinen gebracht – selbst wenn es voll durch gewesen wär, wär’s grauslich gewesen. Und dann noch mit Tunke, wie bei den teutonischen Barbaren. Der Ausflug war aber trotzdem total witzig und eine schöne Einstimmung auf die bevorstehenden Ferien.

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