There and back again…

2014-01-06 16.12.27

There and back again

Da bald mein eineinhalb Jahre Jubiläum in den Staaten anliegt, ist es wohl höchste Zeit, diesem Blog wieder etwas Leben einzuhauchen. Letztes Semester bin ich ja überhaupt nicht dazu gekommen, in die Tasten zu hauen, da die böse Uni meine Freizeitvorräte beinahe vollständig aufgeknuspert hatte. Meine liebe Kollegin Annette hatte sich ja böse den Arm gebrochen, und so wurde ich gefragt, ob ich nicht kurzfristig einspringen könnte – was ich nur zu gerne getan habe. Bei drei Klassen, von denen ich einen Kurs noch nie zuvor unterrichtet hatte, war das eine ordentliche Herausforderung, aber es hat alles prima hingehauen. Sehr viel Spannendes lässt sich auch nicht über diese Zeit berichten – das ohnehin kurze Semester ist wie im Flug vergangen und ich habe wenig Episches angestellt. Vielleicht mit der Ausnahme meines Immigrationsverfahrens – so bin ich nach meinem Interview in Columbus ja jetzt mit Brief und Siegel „Legal Resident Alien“. Nimm das, Giger. Andererseits brauch ich das nicht so bald wieder. Spaß war das Interview, wo einem schon immer das Gefühl vermittelt wurde, ein dahergelaufener Bittsteller zu sein, nun wahrlich keiner. (Originalton eines Beamten, Gott sei Dank nicht zu mir: „Are you afraid of me? ARE YOU AFRAID OF ME?!?! YOU BETTER BE…“). Wie dem auch sei, habe ich mich nach dem Semester doch schon sehr auf die Winterferien in der alten Heimat gefreut.

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Ich hatte ja ein perfektes Timing ausbaldowert, und nach den letzten Prüfungskorrekturen ging es dann nach einem reibungslosen Flug direkt zur „Wilden Jagd“ (siehe oben). Sarah war ja schon sehr gespannt auf die österreichischen Perchtenbräuche, und so war es eine perfekte Einstimmung, gleich am ersten Abend von unheimlichen Gesellen begruselt zu werden. Der Schweinsgalopp, mit dem die Perchten von Bauernhof zu Bauernhof berserkt sind, um dort alles Gute für das nächste Jahr zu wünschen, hat offensichtlich das Tempo für den restlichen Urlaub bestimmt. Weihnachten mit der Familie, Exkursionen nach Wien, Berchtesgaden und Graz, ein kurzfristig eingeschobenes Liverollenspiel, immer wieder Kaffee oder Schnitzel mit Freunden… Da hatten wir uns doch dezent zu viel auf den Teller geladen. Dennoch haben wir doch ein paar hilfreiche Lektionen für das nächste Mal gelernt. Erstens: Schnitzel mit Maß und Ziel. Nachdem viele Freunde Sarah natürlich ihre Lieblingsbeiseln zeigen wollten, wurden wir dementsprechend oft zu Geheimtipps ausgeführt, wo es nach der eingehenden Beäugung der Speisekarte fast immer: „Schnitzel“ oder „Gordon Bleu“ geheißen hat. Das war genau nach meinem Geschmack, allerdings hat die Holde nach einer Woche einen kurzen Schnitzelstreik ausgerufen. Zugegeben, die leichteste Küche haben wir Alpenbewohner tatsächlich nicht. Zweitens: vier Wochen dauernd auf Achse und jeder Tag verplant ist definitiv zu viel. Das nächste Mal sollten wir wohl immer ein oder zwei Tage Pause in einem schnuckeligen Hotel einschieben. Und vielleicht einen etwas weniger gedrängten Stundenplan. Drittens: Ohio braucht eine ernstzunehmende Larpszene.

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Aber immerhin konnten wir auch einzigartige Momente erleben. Von der Gastfreundschaft bei Freunden zu Fiakerfahrten mit Prof. Wullbert in Mordor (Wien, für Nichteingeweihte), strahlendes Föhnwetter am Berg, Punsch vor Schloss Schönbrunn, Prangerstutzenschießen in Berchtesgaden, Adventsingen in Salzburg, Schabernack mit Hosch & co., Fondue in Nerdvana, Kroketten beim Krokettenmeister, Silvester in Graz und vieles mehr. Am wichtigsten war es jedoch, endlich wieder einmal Freunde und Familie zu sehen, da ich mich doch viel später als versprochen und mit Ablaufdatum in der alten Heimat wiedersehen ließ.

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Mit Perchten hatte unser Urlaub begonnen, mit Perchten ging er zu Ende. Nach dem Gollinger Perchtenlauf mussten wir wieder in unsere Maschine „back home“ kraxeln – und so sehr die Hinreise wie geschmiert gelaufen war, so sehr wollte uns Amerika demonstrieren, was mir mein alter Mitbewohner einst gepredigt hatte: „Erwarte nicht, dass in Amerika etwas auf den ersten Anlauf funktioniert, und du bist ein glücklicherer Mensch.“ Bei unseren bajuvarischen Nachbarn klappte ja noch alles bestens. Sobald wir in Washington aus dem Flieger gestiegen waren, sollte sich das aber bald ändern. Wir hatten es gerade noch geschafft, unser Gepäck nach der Immigration einzuchecken – den Flieger selbst erreichten wir aufgrund teutonischer Maiden, die sich im Sicherheitscheck einfach vorgedrängt hatten („Unser Flieger geht in einer Stunde. Wir müssen das jetzt machen, sorry.“ „Fucking great – unserer geht in 20 Minuten.“), um zwei Minuten gerade nicht mehr. Außerdem mussten wir ja genau während des Polar Vortex reisen, ergo gab es keine Flüge innerhalb der nächsten 72 Stunden mehr nach Columbus. Toll. Umgebucht nach Charleston, West Virginia, Mietwagen genommen, am nächsten Tag Koffer in Columbus aufgeklaubt (laut United war es unser Fehler, den Flieger verpaßt zu haben, war ja auch klar, unser Gepäck hatte es ja schließlich geschafft) und am darauf folgenden Tag Mietwagen nach Charleston zurückgebracht, wo es gerade eine große Chemiekatatstrophe gab (Tanks mit Bergbauchemikalien sind ausgelaufen und 300.000 Leute durften ihrem Trinkwasser Lebewohl winken), was Budget allerding wurscht war, bei jeder anderen Station hätten wir 300 Dollar Aufpreis bezahlt, um die Mietkarre zurückgeben zu dürfen. 3 Tage Heimreise – danach waren wir streichfähig. Dennoch hatte ich unser Häusel schon vermisst.

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Wo in Österreich warme Temperaturen ob des ständigen Föhnwetters geherrscht hatten, war es zuhause genau umgekehrt. War ja auch klar, dass ich als barbarischer Alpenbewohner erst nach Amerika gehen musste, um zum ersten Mal in meinem Leben eingeschneit zu sein. Zum Teil hatten wir doch 30-50cm Neuschnee in einer Nacht und -28 Grad für eine ganze Woche. So bibbere ich nun schon seit 7 Wochen durch. Immerhin war das Wetter genau zum Geburtstagswochenende gnädig, und so konnten wir zur Geburtstagsfeier der SchwiMu aufbrechen (diesmal im superkleinsten Rahmen der Familie von nur 16 Leuten). Das Witzigste an diesem Wochenende war allerdings der Sonntag – an dem wir eingeladen waren, Neffe Emory (Nr. 12, weiß) und Nichte Sidney beim Wüt… erm… gesitteten Basketballspiel bzw. Cheerleading zuzusehen und sie gebührend anzufeuern. Dieses epische Geschehnis fand passenderweise in der Mega Church von Huntington statt. Ah, die süße Ironie, doch weder ich noch irgendwelche jüdischen Familienmitglieder sind zu Staub zerfallen. Vor und nach jedem Spiel wurde auch inbrünstig gebetet und in der Halbzeit wurde fleißig „Zeugnis abgelegt“. In unserem Fall von einem jungen mexikanischen Migranten, der uns davon berichtete, wie Gott ihm mehrmals diverse Knochen gebrochen hat, um ihn vor dem dunklen Pfad der Arroganz und des Egoismus zu retten. HALLELUH!

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Und nun hocke ich wieder auf meinen vier Buchstaben in Athens, quäle dieses Semester nur Sport Management Studenten – die ich auf ihr Auslandsprogramm in Deutschland vorbereite, und warte auf den Frühling! Denn mit dem dritten Polar Vortex, der gerade durchzieht, habe auch ich endgültig die Schnauze voll vom Winter. HUGH!

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